DIE SAMMLER
BIOGRAFIE PROF. KOMMERZIALRAT KARLHEINZ ESSL >>
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Sammeln wird oft mit Leidenschaft umschrieben. Dies ist für mich nur einer
von vielen Aspekten und das Überraschende dabei ist, dass sich die Emotionen,
Motivationen und Gefühle nicht eindeutig beschreiben lassen. Im Grunde genommen
geht es um starke Gefühle, gepaart mit Neugier und Interesse, das Aufspüren
neuer Entwicklungen in der Kunst und um das Entschlüsseln rätselhafter
Symbole und verborgener Bildinhalte.
Aus diesem Grund war und ist es für meine Frau und für mich wichtig,
den direkten Kontakt mit den KünstlerInnen zu suchen, um im persönlichen
Gespräch in den Gral ihrer Fantasien vorzudringen und neben der vordergründigen
Ästhetik des Kunstwerkes seinen tiefer liegenden Inhalt zu ergründen.
So war es für meine Frau besonders Hermann Nitsch, bei dem es lange dauerte,
bis sie seine Arbeit akzeptieren konnte. Vorausgegangen ist dem eine intensive
Auseinandersetzung mit seinem Werk und vor allem die persönlichen Gespräche
im Schloss in Prinzendorf, die Wanderung durch die Weinberge und die sich daraus
ergebenden tiefgreifenden Gespräche.
Darüber hinaus sind es einfach die Kunstwerke selbst, die begeistern, der
ästhetische Genuss, aber auch die "harten Nüsse", die es zu
knacken gilt, um an den "süßen Kern" heran zu kommen.
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Agnes Essl mit Maria Lassnig, 2004 |
Karlheinz Essl mit Erwin Wurm, 2004 |
Moderne Kunst hat seit unserer ersten Begegnung mit ihr im Jahre 1959 unser Leben
bestimmt und verändert. Geschäft, Freizeit und Urlaub sind seitdem stark
von Kunst durchdrungen.
Unsere Reisen in viele Länder dieser Erde sind stets von der Kunst bestimmt.
Wir besuchen Künstler in ihren Ateliers, sprechen mit Kuratoren, besuchen
Museen und Galerien. Ein wichtiger Teil unserer privaten Lektüre besteht
aus dem Lesen von Monographien und einschlägiger Literatur sowie dem Studieren
von Katalogen. Sämtliche Kunstwerke der Sammlung wurden von uns selbst ausgesucht,
teils gemeinsam, teils von einem von uns. Wenngleich es durchaus unterschiedliche
Blickwinkel gibt, so hat sich doch im Laufe der Jahrzehnte gemeinsamer Kunstbetrachtung
und Gespräche ein grundsätzlicher Konsens heraus gebildet. Auf Berater
haben wir stets verzichtet. Natürlich ergeben sich bei Gesprächen mit
wichtigen Repräsentanten der Art World und bei Besuchen von Museen und Galerien
immer wieder neue Erkenntnisse, die in der Sammlung ihren Niederschlag finden.
Die letzte Entscheidung, ob ein Künstler in die Sammlung aufgenommen wird
bzw. welche Werke gekauft werden, wird allerdings stets von uns getroffen.
So gesehen ist die Sammlung durchaus subjektiv, jedoch nie beliebig und durch
die geschulten Augen der Sammler geprägt. Kontinuitäten wechseln sich
mit Brüchen ab, es gibt auch Kanten, die jedoch der Sammlung Kontur und Farbigkeit
verleihen.
Die Sammlung hat sich aus kleinen Anfängen entwickelt. Zuerst waren es
Arbeiten auf Papier von österreichischen Künstlern und erst später,
als sich die wirtschaftliche Situation deutlich verbesserte, konnte man an größere
Stücke denken. Später wurde die Sammlung auf wichtige Positionen internationaler
Kunst ausgeweitet. Ich erinnere mich noch lebhaft an Situationen, als wir in Museen
Werke von Morris Louis, Sam Francis, Frank Stella, Alex Katz oder die wunderbaren
Arbeiten von Antoni Tàpies oder Eduardo Chillida gesehen haben. Von den
deutschen Künstlern haben uns Gerhard Richter, Sigmar Polke, Georg Baselitz
und viele mehr in ihren Bann gezogen. Damals waren es unerreichbar scheinende
Träume, solche Werke zu besitzen, sich damit zu umgeben und andere an unserer
Freude teilhaben zu lassen. Erst später sind einige dieser Träume Wirklichkeit
geworden.
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Karlheinz Essl mit Georg Baselitz, 2004 |
Agnes und Karlheinz Essl mit Günther Förg, 2008 |
Aus Träumen entwickeln sich Visionen
Eine Vision war der Wunsch nach einem eigenen Museum. Die Realisierung dieser
Vision schien in weiter Ferne zu sein, nicht zuletzt auch in Hinblick auf die
Finanzierbarkeit eines solchen Projektes. Dass "unser" Museum privat
und ohne staatliche Einflussnahme realisiert werden sollte, wurde uns spätestens
bewusst, als wir die Integration unserer Sammlung in das Museumsquartier in Wien
zu diskutieren begannen.
Ein erster Schritt der Realisierung zeichnete sich bei der Planung des neuen
bauMax-Verwaltungsgebäudes, dem Schömer Haus, ab. Im zentralen Innenraum
des Gebäudes, mit den umlaufenden Galerien und dem von der Decke mit Tageslicht
durchfluteten Raum, wurden ab 1987 wechselnde Ausstellungen präsentiert und
der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Schömer Haus war aber
nur ein erster Schritt. Ein Museum mit seiner Infrastruktur, seiner kunsthistorischer
Verantwortlichkeit und Kompetenz war das bis dahin utopisch erscheinende Ziel.
Die positive Entwicklung unserer Unternehmensgruppe und die gesellschaftliche
Verantwortung, die wir zu leisten gewillt waren, führten schließlich
dazu, dass das Museum der Sammlung Essl Ende 1999 eröffnet wurde. Seither
sind viele spannende und wegweisende Ausstellungen gezeigt worden. Darüber
hinaus werden Ausstellungen unserer Sammlung in vielen Museen, von Amerika über
Indien, Mexiko und in wichtigen europäischen Städten, präsentiert.
Um Ausstellungen in aller Welt zu unterstützen, werden bis zu 1.000 Leihgaben
jährlich an Museen verliehen.
Unsere Visionen für die Zukunft sind damit nicht erschöpft. Ich
träume von neuen Möglichkeiten der Präsentation unserer Werke und
davon, weite Teile der Bevölkerung für die Kunst zu begeistern. Dies
sind Aufgaben, denen wir uns in Zukunft verstärkt widmen wollen.
Über das Sammeln als Leidenschaft, teilweise gekürztes Vorwort
aus dem Katalog Passion for Art, 2007, anlässlich des 35 jährigen Sammlerjubiläums
von Prof. KR Karlheinz Essl
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